Gerade erinnerte mich mein Smartphone daran, dass meine böse Hälfte am Samstag erscheinen wird. Ich hatte meinem Arzt zwar versprochen, mich sofort darum zu kümmmern, aber mal ehrlich, wer macht das schon?
Bewahren Sie Bettruhe! Belasten sie den Fuss nicht unnötig! Fahren sie auf keinen Fall auto nach der OP, auch lokale Anastäsie beeinträchtigt ihre Fahrtüchtigkeit!
Aber sicher doch Herr Doktor. Und demnächst höre ich auch auf Polizisten, die mir ein Rotlichtverstoss vorwerfen, weil ich in Berlin die Ampeln eigenmächtig überquere und mich dabei weniger von Farben sondern eher meine Übersicht des aktuellen Verkehrsaufkommens in Betracht ziehe und dann spontan reagiere.
In kurzen Worten: ist kein Auto da laufe ich los, rot hin oder her.
Wer tut das nicht, immerhin bin ich lange genug erwachsen.
Aber ich schweife ab. Also Samstag im Laufe des Abends wird er bei mir klingeln und dann bin ich wieder eine Woche „in touch“ mit meinem äußeren Schweinehund. Das stellt sich meist durch ausgiebiges Herumlungern und Nichtstun dar und gipfelt oft in die totale Regungslosigkeit und Arbeitsverweigerung. Ich habe mein Handy schon darauf vorbereitet mich jeden Morgen wieder daran zu erinnern, dass „ARBEITEN GEHEN!!!“ ein wichtiger Teil meines Lebens und eigentlich unverzichtbar ist. Sonst entfällt mir das am Ende noch.
Die letzte Woche wurde dann auch beginnend am Montag und in einer abfallenden Geraden immer schräger.
Mein Chef nebst Tochter waren diese Woche nicht im Laden, was mir einerseits die erfreuliche Möglichkeit gab sie nicht sehen zu müssen aber auf der anderen Seite auch bedeutete, dass ich mich um jeden Furz kümmern musste.
Und mit Furz meine ich Kunden. Und mit Kunden meine ich soziale Legastheniker, die trotz ihrer Unfähigkeit Gefühle normal wahrzunehmen und damit umzugehen trotzdem danach suchen. Verzweifelt suchen. Wo und was genau mit Chef und Cheftochter ist weiss ich nicht, informiert hatte mich nur der Anrufbeantworter auf den mein Chef zwecks Informationsvermittlung draufgeschnarrt hatte. Das war Montag morgen, 10 Minuten vor Ladenöffnung und schon hatte ich die Krawatte auf. Das ganze steigerte sich noch durch diverses herumgefurze an eben diesem Montag und dem unweigerlich folgenden Dienstag, auf das ich nicht weiter eingehen möchte.
Um ein kleines Wortspiel zu bemühen: Es stank mir gewaltig!
Zum Ende der Woche standen wieder 2 Tage Survivalkurs an. Diesmal Technik und Biologie.
In Technik wurde uns von einem Herrn mit vergessenswertem Namen aber unvergesslich schlechtem Versuch seine Haare rüberzukämmen die Funktionsweise eines N-Projektils näher gebracht. Die erschaffen einen so hohen Impuls, dass bei direktem Austritt aus einer wie auch immer gearteten Waffe die im Weg stehenden gasförmigen Moleküle, von uns einfachen Sterblichen „Luft“ genannt, zerreisen und die dabei entstehenden Instabilität eine kataklysmische Reaktion anstosen und die in einem größeren Umkreis alle Moleküle auf atomarem Level sprengen würde. Natürlich nur die von gasformigen Stoffen, feste Stoffe wären weitestgehend stabil durch ihre inner Struktur. Aber es ist schon blöd mit jedem Schuss die Atemluft im Umkreis von mehreren hundert Metern zu vernichten. Die Lösung war weder einfach noch simpel. Man verwendet einen Vorimpuls, der einen kleinen Teil der Oberfläche negativ aufläd und das in derartig starkem Maße, das der Impuls im Bestreben diesen gegenpoligen Effekt aufzuheben und seiner Unmöglichkeit das auf direktem Wege zu tun, wofür ein Isolator sorgt, die Barriere zum Nullraum verdrängt und diesen am angepeilten Negativpunkt wieder durchbricht. Man wird also quasi von hinten erschossen.
Echt fies.
Bei der Biologie von andersdimensionalen Dingen, man hatte sich auf Dinge anstelle Lebewesen geeinigt, einfach weil einige von den Dingern nichts an sich haben was nachweislichem Leben entspricht, hatte wir jemand neues - Frau Kroq. Die könnte das Liebeskind zwischen Herrn Vogel und einem Shoppingkanalmoderatorin sein, denn sie benutzte ähnlich wie er eine unüberschaubare Anzahl an Bewegungen um ihre Informationen nonverbal zu unterstreichen, doch entglitt ihr dabei das Gesicht weniger oft. Zudem schien sie von der unterschiedlichen Biologie von Dingen hochgradig fasziniert zu sein, generell scheint im Kurs bei allen Dozenten die Begeisterung an der Andersartigkeit die Angst ums eigene Leben völlig zu unterdrücken.
Sie erzählte also munter von oktaren Archanen, Varguswesen und reisznerschen Molusken. Gerade die letzten fand sie faszinierend und widerlich zugleich. Das traf auch auf mich zu, die Faszination meine ich, nicht der Rest.
Die reisznerschen Molusken bestehen aus Protoplasma, was keine wissenschaftliche Bezeichnung ist aber durchaus zutrifft. Ihr ganzer Körper besteht aus Gelee ähnlich einer Qualle mit fester Oberfläche. Wie ein Wackelpudding nach dem Erkalten. Sie sind halbtransparent und bewegen sich durch Wellenbewegungen auf der Unterseite fort. Oben auf dem Wackelpudding wachsen Kristalle in kleinen Batzen und die brauchen sie zur Orientierung. In der Mitte sitzt ein Ring aus feinen Nervenzellen, jede nur wenige Millimeter dick. Die schwimmen in der gallertartigen Masse die ihr Körper ist und senden elektrische Signale an den Spitzen ab. Die Nervenzellen sind im Kreis aufgerichtet, so dass das ganze im Seitenprofil wie Seegrass unterwasser aussieht.
Nur eben im Kreis angeordnet.
Wenn sich jetzt die Moluske bewegt sorgt das Organ für Stabilität. Die Kristalle an der Oberseite haben eine höhere Dichte als die Gelatine und werden dadurch bei einer Bewegung in Bezug auf den restlichen Körper langsamer beschleunigt.
Masseträgheitsgesetz. Dadurch bildet sich eine Spannung im Körper, die je nach Richtung auf die eine oder andere Häärchenpartie übertragen wird. Wenn diese dann angestupst werden bewegen sie sich, die Enden stosen aneinander, elektrische Entladungen entstehen – heureka, die Moluske weiß wohin sie sich bewegt und durch unterschiedlich lange Nervenzellen von ausen nach innen auch wie schnell.
Faszinierend, oder nicht?

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