Es war voll und heiß im Duncker. Draußen waren trotz hinter uns gebrachter Geisterstunde noch immer 22 Grad und hier drin tropfte die Feuchtigkeit von den Wänden. Es war Zeit für einen neuen Aufguss. Ich torkelte Richtung Toilette, hatte heute Abend schon deutlich mehr Alkohol zu mir genommen als gut für mich war, aber jede Faser meines Körpers schrie nach Flüssigkeit. Zudem meinte es der DJ einfach zu gut und riss einen geilen Metalsong nach dem anderen herunter. Es war Himmel und Hölle zugleich.
16. Juni 2015
38 / Stück Brot – Mitte Mai- fette Schnecken - grün
Es war voll und heiß im Duncker. Draußen waren trotz hinter uns gebrachter Geisterstunde noch immer 22 Grad und hier drin tropfte die Feuchtigkeit von den Wänden. Es war Zeit für einen neuen Aufguss. Ich torkelte Richtung Toilette, hatte heute Abend schon deutlich mehr Alkohol zu mir genommen als gut für mich war, aber jede Faser meines Körpers schrie nach Flüssigkeit. Zudem meinte es der DJ einfach zu gut und riss einen geilen Metalsong nach dem anderen herunter. Es war Himmel und Hölle zugleich.
22. Mai 2015
37 / Spatzenorchester – süß-sauer – Geräuschentwicklung – Milcheimer - virtuos
Der
Volkspark Friedrichshain ist sicherer als vorhersage wann der Sommer
da ist als jedes Barometer oder Wetterapp. Beim hindurch fahren
fielen mir heute die vielen Decken und Leute auf denselben auf, die
einfach nur herumsaßen, quatschten, Bier tranken und es sich gut
gehen ließen. Die Jogger waren nur spärlich zu sehen und ich war
der einzige Typ auf einem Fahrrad weit und breit. Das alles und das
Spatzenorchester um mich herum zeigten überdeutlich - Berlin hat
offiziell den Sommer begrüßt. Das ist etwas, das mehr ist als nur
ein paar Picknicke im Park und ein Feierabendbier unterm freien
Himmel, es hat etwas mit Langsamkeit zu tun. Alle sind einen Schritt
langsamer unterwegs, alle haben plötzlich vergessen, dass man in
Berlin lebt und es da gefälligst zur Pflicht eines jeden Berliners
gehört immer von A nach B zu hetzen und unterwegs so vielen Leuten
wie möglich auf den Sack zu gehen. Mit einem mal wird man
angelächelt wenn man mit dem Fahrrad durch den Park fährt, Jogger
weichen grüßend aus oder halten mit verträumtem Blick auf der
Stelle joggend an, um einen vorbei zu lassen. Jeder hat plötzlich
Zeit, Berlin ist plötzlich menschlich.
15. Mai 2015
36 / Auftritt – Medusa – Hentaihamster - Beckenrand
Ich konnte Violetta schon hören als sie gerade erst in meine Straße eingebogen war. Mein Balkontür war weit offen und das infernalische Knattern hallte von den Häuser zu beiden Seiten der Straße wieder. Angel wusste was ein guter Auftritt war.
Wir
waren verabredet ins Sage zu gehen, einem Club der Rock und Metal
spielte und den ich unglaublicherweise in meiner Zeit in Berlin noch
nie betreten hatte. Das sollte sich heute ändern. Danke Feiertag war
Angel morgen in der Lage auszuschlafen und bei mir sorgte mein volles
Bankkonto für den selben Effekt.
Der
Helm war einer von der kinnfreien Sorte und hatte zudem eine Brille,
die man aufsetzen musste. Ich kam mir vor wie eine Pilot im zweiten
Weltkrieg als wir auf Violetta, die vibrierte und knatterte als würde
sie jeden Moment auseinanderfallen Richtung Alex heizten. Am Sage
angekommen wurde mir beim absetzen des Helms bewusst warum Haargel
und Helm eine blöde Kombination waren – Angel lachte sich halbtot
weil ich aussah als hätte mich eine Kuh abgeleckt. Mürrisch
versuchte ich das beste draus zu machen. Das Ergebnis war kein
sehenswertes Resultat wie mir der Spiegel an Violetta bestätigte,
aber es musste eben reichen. Schulterzuckend folgte ich Angel ins
Sage.
7. Mai 2015
35 / Himmelsausschnitt – Allerwertester – Freiheitsberaubung – Schweiger - Kriegsbeil
“Dämliche Pissbacken.” Die Tür zum Innenhof bestand dank ihres Schließarmes darauf mir gegen das Fahrrad zu knallen und ich schob sie immer wieder mit mäßigem Erfolg auf.
„Fuck
you!“ brüllte ich sie schlussendlich an und schaffte es im selben
Augenblick endlich mein komplettes Fahrrad hindurch zu befördern.
„Geht's
noch?“ Das war Horst, der mich aus seiner Ecke vorwurfsvoll ansah
und mit den Ohren wackelte. Nach Tokio war er bei mir ausgezogen und
hatte seinen Platz in der Ecke des Innenhofs wieder in Besitz
genommen. Meine Wohnung gefiel ihn zwar meinte er, aber er wollte
lieber an der frischen Luft unter freiem Himmel, oder eher
Himmelsausschnitt schlafen.
„Ach
halt doch die Klappe.“ murmelte ich nur und rammte mein Fahrrad in
einen freien Ständer.
27. April 2015
34 / Corioliseffekt - Die Fahrscheine bitte! - schreiende Socke
Nach einem 13 Stunden Flug zurück, der übrigens dank des Corioliseffekts eine Stunde länger dauerte als der Hinflug wieder in Berlin angekommen trotteten Horst und ich mit fiesem Jetlag zur S-Bahn. Der Jetlag war bei mir entstanden, weil mich irgendwann in der "Nacht" von einem Rauschen erwachte und mir mit halb schlafumnebelten Hirn plötzlich klar wurde, dass mich von einem Fall aus mehreren Kilometern Höhe und dem dabei eintretenden Erfrieren oder Ersticken, je nachdem was durch Mutter Natur eher umgesetzt werden konnte, nur eine zentimeterdicke Plexiglasscheibe und etwas Kunstorf drumherum bewahrte. Schlag artig war ich wach und bereute den Fensterplatz, auf den ich bestanden hatte zutiefst. Das Rauschen machte mich nervös.
War
etwas defekt?War das normal? Breitete sich gerade an der Außenseite
des Flugzeugs ein haarfeiner Riss immer weiter aus nur um dann
plötzlich die halbe Wand und drei Sitzreihen, mich inklusive, ins
Freie zu reißen?
An
Schlaf war nicht mehr zu denken.
5. März 2015
33 / Krokodil – Nu sto? - obszön – Tokio Baby!
Immer noch kein fetter Scheck. Es ist echt zum ausrasten, ich dachte oder hoffte dass diese ganze Episode mich wenigstens entschädigen würde, aber Pustekuchen. Stattdessen stehe ich nach wie vor morgens in aller Herrgottsfrühe in der S-Bahn und schaukel inmitten lebensverneinender Arbeiter meiner Anstellung in Siemensstadt entgegen. Ja inzwischen konnte ich von Spandau nach Siemensstadt wechseln was positiverweise den Arbeitsweg und negativerweise meine Schlafzeiten verkürzt hat. Aber dafür darf ich mir im gegenüberliegenden ALDI beim Kauf eines Mittagessens wieder und wieder Perlen des menschlichen Miteinander ansehen.
Mein Leben rockt einfach.
25. Februar 2015
32 / grau – Schlammlöcher – Email - Schach matt
Das Haus war grau. Ein grauer Betonklotz mit kleinen sauber aufgereihten Fenstern. Ich hob den Zettel in meiner rechten und las die Adresse nochmals. Ja hier war ich richtig. Irgendwo in diesem architektonischen Alptraum, der aus einem Armenviertel am Stadtrand von Moskau zu stammen schien war mein Päckchen. Alles was ich tun musste war da reinzugehen und die Zollstation aufzusuchen.
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